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Diskussionababend
 

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Diskussionsabend
am 11. Februar 2008 in der Kulturellen Mitte Holzheim



Fast genau ein Jahr nach dem zweiten deutschen Titelgewinn bei einer Hallenhandball-Weltmeisterschaft fanden sich die heimischen Handball-Experten Volker Michel (Ex-Nationalspieler), Endspiel-Kommentator Florian Naß (HR3), Axel Geerken (Geschäftsführer HSG Wetzlar), Bezirksvorsitzender Norbert Münch und Horst Günter Schmandt (Vorsitzender HSG Pohlheim) zu einem munteren Plausch zusammen, der von FFH-Reporter Björn Seipp geleitet wurde.

"Ein Jahr nach dem Handball-Wintermärchen, was bleibt?"



Albert Mehl mit Volker Michel Wer schon immer mal wissen wollte, was ein Kommentator sich nach einem WM-Endspiel am sehnlichsten wünscht, dass Handballer mittlerweile mit Modelverträgen ausgestattet werden oder warum Handballer bodenständiger sind, der war 11. Februar genau richtig in Holzheims kultureller Mitte.

Neben den persönlichen Erinnerungen an diesen denkwürdigen 4. Februar 2007 auch die Auswirkungen des Triumphes auf Vereine und Jugendarbeit beleuchtet und zum Teil sehr kritisch unter die Lupe genommen. Aber auch aktuelle Probleme wie die Schiedsrichtersituation, Handball im Schulsport, die Terminhatz der Nationalspieler und der Blick nach vorne auf die Olympischen Spiele in diesem Sommer wurden lebhaft und kontrovers diskutiert.

Alles immer gewürzt durch kleine Anekdoten, mit denen die einzelnen Experten aufwarten konnten. So versicherte Florian Naß, nach den 60 nervenaufreibenden Endspielminuten sich nichts sehnlicher als ein Glas des kühlen Gerstensaftes gewünscht zu haben und legte Volker Michel plausibel dar, wie bodenständig doch Handballer im Gegensatz zu anderen Ballkünstlern geblieben seien.

Doch gerade das Grundthema mit seinem Rückblick auf das vergangene Jahr beherrschte die gut 90 Minuten der Diskussion. Während Axel Geerken hierbei feststellte, dass der heimische Erstligist einen spürbaren Zuspruch gerade von den jüngeren Anhängern sowohl bei den HSG-Spielen als auch bei den eigenen Jugendmannschaften erfahren habe, relativierte Norbert Münch mit den nackten Zahlen die Annahme, dass sich der WM-Titel auch positiv beim allgemeinen Zulauf in die Jugendmannschaften ausgewirkt habe.

"Seit Jahren melden wir etwa 400 Jugendmannschaften pro Saison, in diesem Rahmen war es auch nach der WM", so Münch. Doch konnten alle Beteiligten in ihrem jeweiligen Umfeld einen erhöhten Bekanntheitsgrad der Nationalspieler feststellen und machten dies auch an deren Mentalität fest.

"Handballspieler sind einfach bodenständig, weil sie immer freundlich den Medien und Fans gegenüber sind. Das kommt beim Publikum einfach an", hatte Wetzlars Linkshänder Volker Michel die Erklärung parat.

Florian Naß lauscht Volker Michel So sind Handballer nun auch als Models für diverse Firmen gefragt, wird das Großunternehmen Adidas die Handball-Marke Kempa als Trikotsponsor ablösen und seien auch Spieler der zweiten Reihe weiter in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und beim Nachwuchs beliebt.

Dass auch das Fernsehen das einst ungeliebte Kind Handball neu entdeckt hat, sah Florian Naß indes als Fluch und Segen zugleich, denn "so wird sich am Terminplan nicht viel ändern, denn die IHF bekommt so alle zwei Jahre Geld für die Übertragungsrechte eines Großereignisses und nicht nur alle vier Jahre". Und bedeute, so Volker Michel weiter, dass die Belastungen für die Spieler weiter viel zu hoch blieben, woraus Verletzungen und Leistungstiefs resultierten.

Horst-Günther Schmandt Positiv bewerteten die Diskussionsteilnehmer die Entwicklung des heimischen Bundesligisten HSG Wetzlar, der zwar notgedrungen, aber dafür den richtigen Weg eingeschlagen habe, nämlich mit jungen Spielern den Erfolg zu suchen und damit dem Nachwuchs größere Chancen einräume als andere Bundesligisten.

Welche finanziellen Mittel der Triumph beim Deutschen Handballbund für die Nachwuchsförderung loseiste, verlangte den Beteiligten allerdings lediglich ein müdes Lächeln ab, nachdem die 300.000 Euro, die der DHB pro Jahr in die Jugendarbeit der Vereine investieren möchte, mit dem Jugend-Etat des SC Magdeburg verglichen wurden, der allein 250.000 Euro in die eigene Jugendarbeit fließen lässt. Doch die Basis der internationalen Erfolge blieben weiterhin die kleinen Dorfvereine, in deren Hallen die Weltmeister von morgen reifen.

"Man muss den Vereinen ein Kompliment aussprechen für ihre Arbeit", stellte Volker Michel klar. Und mit Blick über das kommende Großereignis Olympische Spiele und dem von allen fest anvisierten Halbfinale hinaus, brauche die deutsche Nationalmannschaft weiter eine funktionierende Nachwuchsförderung.

Diese ausführliche und vor allem kontroverse Betrachtung der aufgegriffenen Themen waren es dann auch, die die gebannten Zuhörer schließlich mit der Gewissheit entließen, einen kurzweiligen Abend verbracht zu haben, den sie ähnlich wie Florian Naß mit einem ersehnten Glas kühlen Gerstensaft beschließen konnten.

Björn Seipp Florian Naß Norbert Münch Axel Geerken

(alle Bilder by Michael Bender)

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